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Vermögensauseinandersetzung und Zugewinnausgleich

Mit jeder Scheidung gehen Vermögensauseinandersetzungen einher. Diese können sehr kompliziert sein. Besonders dann, wenn gemeinsame Immobilien oder auch gemeinsame Schulden mit im Spiel sind.

Wurde die Ehe von den Ehepartnern ohne einen Ehevertrag vollzogen, d.h. keine Gütertrennung oder Gütergemeinschaft vereinbart, gilt ab dem Zeitpunkt der Eheschließung eine Zugewinngemeinschaft. Hierbei handelt es sich um den am meisten verbreiteten Güterstand bei Ehen.

Was bedeutet Zugewinngemeinschaft?

In einer Zugewinngemeinschaft verwaltet jeder der Ehepartner sein eigenes Vermögen  für sich selbst. Dies gilt auch für Schulden, solange ein Darlehensvertrag nur von einem der Partner unterzeichnet wird.

Mit dieser Regelung im Familienrecht soll bezweckt werden, dass jeder Ehepartner an dem gemeinsam Erarbeiteten in gleichem Umfang beteiligt wird – ganz gleich in welcher Form (Berufstätigkeit oder Haushaltsführung) die Ehepartner an der Vermögensschöpfung beigetragen haben.

Der gesetzliche Güterstand der Zugewinngemeinschaft  gilt ab dem Tag der Eheschließung und endet mit Einreichung des Ehescheidungsantrages oder (auf Antrag) frühestens drei Jahre nach der Trennung.

Wie wird der Zugewinnausgleich bei einer Scheidung ermittelt?

Bei der Ermittlung des Zugewinnausgleichs wird zunächst das Vermögen herangezogen, das am Stichtag der Einreichung des Ehescheidungsantrages vorhanden ist (Endvermögen). Dies wird für jeden Ehegatten – unter Abzug möglicher Schulden – gesondert aufgestellt. Zu diesem Endvermögen können zählen: Immobilien, Aktien, Lebensversicherungen mit dem maßgeblichen Rückkaufswert und den Gewinnanteilen, Firmenwerte oder Geschäftsbedingungen, Bausparverträge, Sparguthaben, Bargeld, Forderungen und weitere Aktiva. Alles was im relevanten Zeitraum der Ehe geerbt oder durch Schenkung erworben wurde, wird zuvor vom jeweiligen Endvermögen abgezogen.

Um den Zugewinn zu ermitteln, wird von diesem Endvermögen das Anfangsvermögen abgezogen, d.h. das Vermögen, das bereits bei der Eheschließung bei jedem der Ehepartner vorhanden war. Vereinfacht lässt sich dies also so darstellen:

Endvermögen – Anfangsvermögen = Zugewinn.

Wer nach dieser Rechnung während der gemeinsamen Ehe mehr Zugewinn als der andere Ehegatte erzielt hat, schuldet dem anderen Ehegatten von dieser Differenz  die Hälfte. Ist das Endvermögen jedoch niedriger als das Anfangsvermögen, wurde kein Zugewinn erwirtschaftet. Einen negativen Zugewinn gibt es nicht.

Bevor die Ehescheidung rechtskräftig ist, müssen die Einigungen über den Zugewinnausgleich müssen notariell beurkundet werden. Es ist außerdem dringend ratsam, bei diesen Auseinandersetzungen einen Anwalt für Familienrecht zur Rate zu ziehen.

Wie verhält es sich, wenn in einem Ehevertrag Gütertrennung vereinbart wurde?

Die Gütertrennung ist besonders bei Selbstständigen und Unternehmern beliebt. Sie gilt als der einfachste Weg, um bei einer Scheidung möglichst unbürokratisch und ohne finanzielle Einbußen „davon zu kommen“. Beide Ehepartner haben ihr eigenes Vermögen, über das sie alleine entscheiden können.

Neben der Entscheidungsgewalt besteht der Unterschied  zur Zugewinngemeinschaft darin, dass bei einer Scheidung kein Anspruch auf Zugewinnausgleich besteht.

Wurde im Zuge der Ehe durch einen Ehevertrag Gütertrennung vereinbart, sollte der Ehevertrag in jedem Fall durch einen Familienrecht Anwalt geprüft werden. Seit 2004 sind Eheverträge nicht mehr in jedem Fall uneingeschränkt gültig. Im Rahmen der Ehescheidung ist es durchaus möglich, dass diese durch das Gericht überprüft, geändert oder gar aufgehoben werden.

Welche Konsequenzen hat eine Gütergemeinschaft bei Scheidung?

Bei der Gütergemeinschaft handelt es sich um die stärkste Form der Zusammenlegung von Vermögen in einer Ehe und kann (wie die Gütertrennung) nur durch einen Ehevertrag vereinbart werden. Das Vermögen beider Ehepartner – ganz gleich ob vor der Ehe vorhanden oder in der Ehe erwirtschaftet – wird zum „Gesamtgut“.

Durch eine Scheidung wird die Gütergemeinschaft beendet und das Gesamtgut nach Abzug der Verbindlichkeiten zu gleichen Teilen aufgeteilt.

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